Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Digitalisierungsbericht für 2020

Dieser Bericht erschien erstmals im Jahrbuch 2019/20 der Ludwig-Erhard-Schule. Es ist der erste veröffentlichte Bericht, dadurch holt er etwas weiter aus.

Oberstudiendirektor  Rolf Becker hatte inmitten seiner Amtszeit (1996 bis 2011) als Schulleiter der Ludwig-Erhard-Schule die Losung »für uns als kaufmännische Schule ist Vollvernetzung die einzige Option« ausgegeben und mit dem ihm eigenen Verhandlungsgeschick gelang es ihm dann auch, alle Klassenzimmer mit vernetzten Lehrer-PCs, Beamern und später Dokumentenkameras auszustatten. In seine Amtszeit fiel auch die Einrichtung eines Open Learning Center mit frei zugänglichen PCs und die Etablierung einer Intranet-Plattform mit einer schulischen E-Mail-Adresse für jede Lehrkraft (aus heutiger Sicht eine nicht nennenswerte Selbstverständlichkeit, damals jedoch absolut fortschrittlich). Dies alles war jedoch kein Grund, sich in der Folgezeit auf Lorbeeren zu betten. Unter Leitung von Herrn Freund trieb Herr Lipps mit der Einführung des elektronischen Klassenbuchs die Digitalisierung voran, im pädagogischen Netz wurde ein Fernzugriff auf die eigenen Daten ermöglicht. Im Frühjahr 2019 wurde die Schulverwaltungssoftware ASV eingeführt und zur Zeit findet die Ablösung der alten Intranet-Plattform  durch eine modernere Lösung statt. Seit einigen Jahren wächst ein Pool von selbst erstellten Unterrichtsmaterialen in der LES-Cloud.

Der Digitalpakt setzt in Baden-Württemberg zwingend einen Medienentwicklungsplan voraus, und das ist gut so, denn es ist ein tiefsitzender psychologischer Mechanismus, anspruchsvolle Fragen mit Antworten zu versehen, die nicht passen, aber eben einfach zu finden sind. Und die Frage, wie Unterricht dem digitalen Zeitalter gerecht werden kann, ist genauso schnell wie falsch beantwortet, wenn man vorschlägt, einfach mehr Hardware einzusetzen. Das größte gescheiterte Projekt dieser Art war OLPC (Akronym von One Laptop per Child), bei dem man davon ausging, dass sich bei Kindern die digitale Bildung von selbst einstellt, wenn man ihnen einen Laptop zur Verfügung stellt.

Doch zurück zur LES. Im Zuge der Erstellung des Medien­entwicklungsplanes ging es im Herbst 2019 darum, auch den tatsächlichen Stand der Digitalisierung im Unterricht zu erfassen. Hierzu wurde eine Befragung der Lehrkräfte durchgeführt. 

Einige Ergebnisse: Alle Lehrkräfte verwenden Computer zur Unterichtsvor- und Nachbereitung; ein hartnäckiges Widerstandsnest von etwa 18 % der Befragten setzt dabei auf Apple; eine Person, die nicht genannt werden möchte, verwendet Linux. Der häusliche Computer ist erstes Arbeitsgerät zur Vor- und Nachbereitung, gefolgt von Lehrerarbeitsplätzen in der Schule. Auch Mobilgeräte kommen gelegentlich zum Einsatz. E-Book-Lesegeräte spielen hingegen kaum eine Rolle.

Im Unterricht ist das digitale Medium der Wahl der PC im Computerraum, gefolgt vom Cloud-Zugriff auf das Schulnetz und von Moodle. Nach Fächern betrachtet folgt die Betriebswirtschaft beim Computereinsatz den maschinennahen Fächern DV, TV und Informatik, wobei bei der Umfrage nicht differenziert wurde, welchen Anteil am Computereinsatz im Fach Wirtschaft die Software Microsoft Dynamics Navision einnimmt. In Fächern wie Deutsch und Religion, aber überraschenderweise auch in den Naturwissenschaften und in Mathematik, spielt der Computerraum keine große Rolle. Gut ein Drittel der Befragten leidet unter organisatorischen Hindernissen im Zusammenhang mit der Nutzung von Computerräumen und könnte daher von einem Klassensatz mobiler DV-Geräte profitieren. 
Moodle wird nur von wenigen Kolleginnen und Kollegen eingesetzt; ob sich dies durch Schulungen und einen Helpdesk bessern ließe, ob es eher an vorgefertigtem Material fehlt oder ob die Bereitschaft, Unterrichtskonzepte an Moodle anzupassen, muss noch weiter evaluiert werden.
Schade eigentlich: Weiß man doch recht genau, was passiert, wenn Schülerinnen und Schülern optionale digitale Angebote gemacht werden – leistungsstarke Personen befassen sich mehr mit dem Thema und schneiden bei Leistungsmessungen besser ab; leistungsschwache Personen ignorieren das zusätzliche Angebot. Macht man das digitale Zusatzangebot zur Pflicht (Hausaufgaben), profitieren alle. Die am häufigsten im Unterricht eingesetzte Software ist Office-Software; für eine kaufmännische Schule ist dies durchaus sinnvoll, dies bildet auch die Realität in den Betrieben ab. Allerdings sollte es auch an der beruflichen Schule sinnvolle Einsatzbereiche für pädagogische Software geben; hier gibt es also noch Luft nach oben.
Bei der Befragung wurde auch nach Fortbildungswünschen gefragt; hier zeigt sich eine Bereitschaft zur Fortbildung bei einer deutlichen Mehrheit der Lehrkräfte. Zusätzlich zu einem Strauß von Fortbildungen ist ein Workshop zu »Digitalen Visionen« in Planung. So sollte sich die Digitalisierung auch im pädagogischen Bereich weiter  voranbringen lassen.

Zur Einführung von ASV-BW

Wenn Unternehmen eine ERP-Software einführen, bedeutet dies tiefgreifende Veränderungen: Alle Prozesse sind anzupassen, auch vieles, was bisher nicht digitalisiert war, wird mit eingebunden. Es handelt sich um einen Kraftakt, der durchaus auch scheitern kann – prominente Beispiele finden sich regelmäßig. 

Die »amtliche Schulverwaltung« ASV tritt mit dem Anspruch an, alle Belange der Schul- und Unterrichtsverwaltung abzudecken. Neben Stammdaten und Zeugnissen der Schülerinnen und Schüler sind insbesondere alle Unterrichtselemente zu erfassen, bis hin zur Einteilung von Schülergruppen. Diese Daten sind zwar bereits an anderer Stelle vorhanden – Stundenplanprogramm und elektronisches Klassenbuch – ein reibungsloser vollständiger Datenaustausch ist jedoch leider nicht möglich. Zur »normalen« Lernkurve, die ein komplexes Programm mit sich bringt, kam also im großen Umfang die Erfassung von Daten, die bisher nicht erhoben wurden oder nochmals erhoben werden mussten, weil es an Schnittstellen mangelte.

Dann hieß es, Abschied von allerlei Sonderprozessen zu nehmen, teils mit Wehmut, teils mit Erleichterung: Es ist keine wirkliche Freude, KMK-Zertifikate mit einer Textverarbeitung zu erzeugen. Der Abschied von knapp 120 sorgfältig von Hand gepflegten Zeugnisschablonen, die regelmäßig zu überarbeiten waren, rief gemischte Gefühle hervor.

Als Zeitpunkt für den Umstieg wählten wir die Zeit nach den Halbjahreszeugnissen; so konnten wir ohne Zeitdruck alle Daten einpflegen, Halbjahreszeugnisse in ASV nachstellen und hatten durch die vorübergehende doppelte Führung der Schülerdaten die Chance, für die Jahreszeugnisse im Notfall auf das alte Schulverwaltungsprogramm zurückgreifen zu können – was sich als glücklicherweise nicht erforderlich herausstellte.

Einige Vorteile von ASV machen sich im Alltag bereits vemerkbar, so können Lehrkräfte die meisten Zeugnisnoten bequem und ohne Zeitdruck von zu Hause aus einpflegen, und das bei Datenschutz nach Stand der Technik. Anderes wird sich erst mittelfristig auswirken: Wir hoffen auf die automatische Übernahme der Daten neuer Schülerinnen und Schüler, die fehlerfreie Übernahme  von Stundenplandaten, den Import von Schülergruppen und die Erzeugung der amtlichen Schulstatistik auf Knopfdruck.

Befragungsergebnisse